Doris Gutsmiedl-Schümann

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Doris Gutsmiedl-Schümann

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Bereits 2011 und 2016 hatte ich auf Basis der Daten des Portals Kleine Fächer (www.kleinefaecher.de) Übersichten zu den Geschlechterverhältnissen auf Professuren in archäologischen Disziplinen erstellt. 2022 ist es nun Zeit für eine aktuelle Übersicht.

Für die aktuelle Zusammenstellung zu Professorinnen in archäologische Disziplinen habe ich wiederum die Daten vom Portal Kleine Fächer genutzt. Hier werden im Vergleich zu 2016 nun ein paar mehr archäologische Disziplinen gelistet. Die Fächer Ägyptologie, Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit (in meinem Text von 2016: Mittelalterarchäologie), Christliche Archäologie, Klassische Archäologie, Provinzialrömische Archäologie, Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie sowie Vorderasiatische Archäologie finden sich hier immer noch. Neu hinzugekommen sind Einträge zu Biblischer Archäologie, Archäometrie und Archäoinformatik. Hiervon wurde die Archäoinformatik als neuer Eintrag in das Diagramm 2022 übernommen. Da in den Diagrammen von 2011 und 2016 Professuren, die nun unter Biblischer Archäologie zu finden sind, unter Christliche Archäologie gerechnet wurden, habe ich für das Diagramm 2022 Biblische und Christliche Archäologie in einer Zeile zusammengefasst. Archäometrie ist im Diagramm 2022 nicht zu finden: Mit den vorliegenden Informationen ist es für mich nicht nachzuvollziehen, welche Stelleninhaber*innen hier auf unbefristeten Professuren tätig sind. Eine genauere Erklärung hierzu folgt weiter unten.

In der Erläuterung zur Datenerhebung auf dem Portal Kleine Fächer heißt es: “Für die Kartierung der kleinen Fächer werden nur Professuren bzw. Stellen mit einer längerfristigen Perspektive berücksichtigt. […] Nicht erhoben werden außerplanmäßige Professuren, Honorarprofessuren und Gastprofessuren.” Dazu gehören auch “Juniorprofessuren mit der Perspektive auf Verstetigung”. Daher gibt es für das Jahr 2022 nun erstmals zwei Diagramme: Eines, bei dem diese Juniorprofessuren berücksichtigt werden (oben), und eines, bei den diese Juniorprofessuren weggelassen wurden (unten). Wie auch schon bei den Diagrammen aus den Jahren 2011 und 2016 wurde ein Stelleninhaber/eine Stelleninhaberin immer als eine Person gezählt, auch wenn er/sie nur eine halbe Stelle inne hat.

Anzahl weiblicher und männlicher Stelleninhaber*innen und Gesamtzahl von Professuren (inkl. Juniorprofessuren mit Aussicht auf Verstetigung) in den archäologischen Fächern in Deutschland: Stand April 2022 (Quelle: www.kleinefaecher.de, Zusammenstellung Doris Gutsmiedl-Schümann)

Anzahl weiblicher und männlicher Stelleninhaber*innen und Gesamtzahl von Professuren (ohne Juniorprofessuren) in den archäologischen Fächern in Deutschland: Stand April 2022 (Quelle: www.kleinefaecher.de, Zusammenstellung Doris Gutsmiedl-Schümann)

Über alle Professuren hinweg beträgt die Frauenquote in den Archäologien (ohne Juniorprofessuren) derzeit 34%.

Zur Archäoinformatik werden gerade einmal zwei Stellen gelistet: Eine davon wird von einer Frau besetzt. In diesem sehr technischen Bereich der archäologischen Fächer wäre damit auf den Professuren rechnerisch Gleichstellung zwischen Männern und Frauen erreicht – allerdings kann sich dies bei der Neubesetzung von einer der beiden Stellen schnell wieder ändern. Ähnlich sehen die Zahlen in der Biblischen Archäologie aus: 4 Professuren werden hier von 2 Frauen und 2 Männern besetzt.

Die Datenlage im Bereich Archäometrie ist deutlich komplizierter, und auch mit Hilfe der Daten vom Portal Kleine Fächer und den verlinkten Institutswebseiten nur schwer zu durchschauen. Hier werden in der Übersicht 6 Standorte für dieses Fach mit 4 Professuren gelistet, in der Detailansicht finden sich dann aber 8 Standorte (4 Universitäten, 4 andere Hochschulen). Für die Universitäten werden in der Übersicht 1,5 Professuren angezeigt, während sich in der Detailansicht auch Universitäten mit 0 Professuren, aber genannten Stelleninhaber*innen finden: Entgegen der sonstigen Konvention bei der Datenaufnahme scheinen hier auch befristete (Junior)Professor*innen gezählt zu werden. Da dies bei anderen archäologischen Fächern nicht gemacht wurde, wurde die Archäometrie in dem unten gezeigten Diagramm weggelassen.

Frauenanteil 2022

Die beiden Diagramme (Stand April 2022) zeigen Folgendes: Schlusslicht bildet nach wie vor die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit mit einem Professorinnenanteil von gerade einmal 20%. Auf dem zweitletzten Platz befindet sich die Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie, deren Professorinnenanteil ohne Juniorprofessuren bei 26% liegt; werden Juniorprofessuren mit Aussicht auf Verstetigung berücksichtigt, steigt der Frauenanteil auf 28%. Damit liegt die Ur- und Frühgeschichte bzw. Prähistorische Archäologie aber immer noch hinter der Provinzialrömischen Archäologie und der Vorderasiatischen Archäologie, die beide einen Professorinnenanteil von 28,5% aufweisen. Die Ägyptologie mit einem Professorinnenanteil von 37,5% sowie die Klassische Archäologie mit einem Frauenanteil von 38% ohne Berücksichtigung der Juniorprofessuren, 41% mit Berücksichtigung von Juniorprofessuren schneiden hier schon etwas besser ab. Die Biblische & Christliche Archäologie haben mit einem Professorinnenanteil von 46% nahezu Gleichstellung erreicht, während in der Archäoinformatik derzeit 50% der Professuren mit Frauen besetzt sind. Auf das Problem der kleinen Zahl der Stellen insgesamt wurde oben bereits hingewiesen.

Veränderungen Frauenanteil 2011 – 2016 – 2022

Interessant ist es nun, die Veränderungen in den Frauenquote auf Professuren im Laufe der Jahre zu betrachten.

Vergleich des Professorinnenanteils (ohne Juniorprofessuren) in archäologischen Fächern in Deutschland 2011 – 2016 – 2022 (Quelle: www.kleinefaecher.de, Zusammenstellung Doris Gutsmiedl-Schümann).

Während der Anteil an Professorinnen in den Fächern Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie, Klassische Archäologie und Ägyptologie langsam, aber kontinuierlich steigt, ist er in den Fächern Biblische & Christliche Archäologie sowie Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit sprunghaft angewachsen. In der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit ist dies auf die Neubesetzung gerade einmal einer Stelle zurückzuführen: Bei insgesamt 5 Professuren macht eine Frau 20% der vorhandenen Stellen aus. Leicht gesunken ist die Frauenquote hingegen in den Fächern Vorderasiatische Archäologie und Provinzialrömische Archäologie, während die Gesamtzahl der Stelleninhaber*innen in beiden Fächern angestiegen ist.


Dieser Blogeintrag ist am 7. April 2022 zuerst unter https://archiskop.hypotheses.org/741 erschienen.

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Forschende - Lehrende - Archäologin | Prähistorikerin - Hochschuldidaktikerin