Digitales Semester
Nachdem die ersten 6 Wochen der Vorlesungszeit im 4. Pandemiesemester vergangen waren, wollte ich auch ein Stimmungsbild der Studierenden einholen. Hierzu habe ich eine digitale Pinnwand erstellt, auf der sie Kommentare hinterlassen konnten.
Vom 1. bis 8. Dezember 2021 habe ich den Studierenden in meinen Veranstaltungen die Möglichkeit gegeben, anonym auf einer Flinga-Pinnwand ein Stimmungsbild zum aktuellen Semester abzugeben. Hierzu habe ich zwei Fragen gestellt:
Wie haben Sie das Semester bisher erlebt?
Welche Erwartungen haben Sie an die kommenden Wochen der Vorlesungszeit?
In den letzten Wochen, während des Wintersemesters 2021/2022, war es sehr ruhig auf meinen Blog. Ansonsten aber ist mein archäologisch-akademisches Leben alles andere als ruhig verlaufen: Das 4. Pandemiesemester habe ich als das bisher anstrengendste Pandemiesemester empfunden. Dafür gab es unterschiedliche Gründe.
Auf der einen Seite wurde von meiner Universität für das Wintersemester die grundsätzliche Rückkehr zur Präsenz und damit Lehre vor Ort als bevorzugtes Format festgelegt. Auf der anderen Seite zeigten die vom RKI seit dem Spätsommer veröffentlichten steigenden Zahlen von Covid-19-Infektionen, dass für das Wintersemester mit einer neuen Welle in der Covid-19-Pandemie zu rechnen war. Leider stieg die Impfquote in der gleichen Zeit nur langsam an, so dass absehbar war, dass die neue Covid-19-Welle im Winter eine Überlastungsgefahr für das Gesundheitssystem mit sich bringen würde. Noch vor dem Beginn des Wintersemesters stelle sich mir also die Frage, ob sich die angestrebte Lehre vor Ort für die Dauer der Vorlesungszeit überhaupt durchführen lässt, oder ob wir nicht doch wieder in die digitale Lehre wechseln würden.
An vielen Universitäten wird für das nun beginnende Wintersemester 2021/2022 auf Lehre vor Ort gesetzt. Doch was oftmals als “Rückkehr zur Präsenz” bezeichnet wird, ist meines Erachtens eine völlig andere Art der Lehre vor Ort als vor dem Beginn der Covid-19-Pandemie.
Seit im Frühjahr 2020 Covid-19 auch nach Europa kam, und die universitäre Lehre innerhalb weniger Wochen nahezu vollständig auf digitale Formate umgestellt wurde, sind mittlerweile drei Semester mit weitgehend digitalem Studium vergangen. Bereits im ersten Pandemiesemester wurden schon nach wenigen Wochen Forderungen nach einer Rückkehr zur Präsenz laut, und diese Rufe sind auch in den folgenden Pandemiesemestern nicht verstummt.
Nach nunmehr schon fast zwei Semestern Online-Vorlesungen möchte ich auch hierzu von meinen persönlichen Erfahrungen schreiben.
Dass es auch im Falle von Vorlesungen nicht damit getan ist, einfach das, was ich als Lehrende sonst vor Studierenden im Hörsaal vortrage, den gleichen Studierenden in einem beliebigen Videochat mit geteilten Folien vorzutragen, war mir sehr schnell bewusst. Im April 2020 hatte ich dazu auch einen kurzen Thread auf Twitter verfasst.
Ich hatte vor einigen Jahren einmal für eine Übung das Konzept des sog. „inverted classroom“ oder „flipped classroom“ ausprobiert, und dafür auch kurze Lehrvideos erstellt. Für diese Videos habe ich die Aufzeichnungsfunktion in PowerPoint benutzt, und schnell die Nachteile dieser auf meinem Rechner bereits vorhandenen Möglichkeit kennengelernt: Da es nicht möglich ist, die Aufzeichnungen nachträglich zu ändern, sollte der Text fehlerfrei und ohne Fülllaute eingesprochen werden. Für mich bedeutete das, dass ich den Text des Lernvideos ausformulieren und das Vortragen proben und einüben musste – für jemanden wie mich, die sonst in der Regel mit Stichworten arbeitet und bei Vorträgen frei formuliert, ein ungewohnter und zeitraubender Arbeitsschritt.
Gedanken zur synchronen Online-Lehre und zur Nutzung der Kamera in Videokonferenzen.
Das Sommersemester hat das Studium in kurzer Zeit auf den Kopf gestellt, und digitale Notfall-Lehre musste auf Grund der weltweiten Covid-19-Pandemie schnell und ohne große Vorbereitung umgesetzt werden. Inzwischen ist die Vorlesungszeit des Sommersemesters vorbei, und vielerorts wurde darüber gesprochen und geschrieben: Unter anderem auch im Hinblick auf das Wintersemester, in dem uns die digitale Lehre nach wie vor begleitet. Erstaunlich häufig wird hier – für mein Empfinden – die Kamera in Videokonferenzen thematisiert: Daher möchte ich hierzu einige meiner Gedanken teilen.
Zuletzt ist es hier auf diesem Blog ein wenig ruhiger geworden: Der universitäre Alltag des präsenzfreien Sommersemesters hatte mich voll im Griff, und ließ mir wenig Zeit, meine geplante Serie von Blogbeiträgen zu digitaler Lehre fortzusetzen. Nichtsdestotrotz habe ich die Studierenden zum Ende der Vorlesungszeit erneut befragt. Diesmal habe ich um Antworten auf zwei Fragenkomplexe gebeten:
- Wie haben Sie das digitale Sommersemester erlebt? Welche Erfahrungen nehmen Sie aus dem digitalen Sommersemester mit?
- Welche Erwartungen haben Sie an das kommende Wintersemester?
Die Antworten und Anmerkungen zu diesen Fragen möchte ich in diesem Beitrag vorstellen und aus meiner Sicht kommentieren.
Exkursionen sind elementarer Bestandteil archäologischer Studiengänge. Dies können Tagesexkursionen sein, etwa in Museum und Ausstellungen oder zu Fundorten in relativer Nähe zum Studienort; meist ist in einem archäologischen Studiengang aber auch die Teilnahme an mindestens einer mehrtägigen Exkursion vorgesehen. Ersatz für Exkursionen und die zugehörigen vorbereitenden Veranstaltungen zu finden, stellt im präsenzfreien Sommersemester 2020 mit eine der größten Herausforderungen in der kurzfristigen Umgestaltung der Lehrveranstaltungen dar.
Für das Sommersemester 2020 hatte ich zusammen mit meinem Kollegen Ernst Pohl eigentlich geplant, unmittelbar nach dem Ende der Vorlesungszeit eine 12-tägige Exkursion nach Dänemark und Südnorwegen durchzuführen; im Rahmen einer Übung sollte diese Exkursion während des Sommersemesters vorbereitet werden. Die Planungen für die Exkursion waren auch schon sehr weit fortgeschritten: Die Reiseroute stand bereits fest, und sowohl der Bus als auch die Unterkünfte waren bereits reserviert. Mit der Reiseroute wären auch die Themen der vorbereitenden Übung bereits vorgegeben gewesen
Inzwischen ist etwa das erste Drittel des digitalen Sommersemesters vergangen: Ein guter Zeitpunkt, um die Studierenden nach einem Stimmungsbild zu fragen.
Um ein Stimmungsbild der Studierenden zu erhalten, habe ich bei Flinga.fi eine virtuelle Pinnwand eingerichtet, und den Studierenden den Link zu dieser Pinnwand per e-Mail zugeschickt. Diese Nachricht enthielt auch eine Kurzanleitung, wie Beiträge auf der Pinnwand platziert werden können, sowie die Bitte, innerhalb einer Woche, bis zum 25. Mai, Einträge vorzunehmen. Darüber hinaus wurden die Studierenden darüber informiert, dass ich einen Screenshot der Pinnwand auf meinem Blog veröffentlichen, und hier einen Beitrag darüber schreiben werde.
Ab der kommenden Woche sollen nun auch an meiner Universität präsenzfreie Lehrveranstaltungen im digitalen Raum durchgeführt werden; inzwischen habe ich die Konzepte meiner Veranstaltungen auch an die speziellen Bedingungen des Sommersemesters 2020 angepasst. Aus diesem Grund möchte ich hier rückblickend zusammenfassen, wie ich vorgegangen bin, und welche Überlegungen dabei eine Rolle gespielt haben.
Während ich an den präsenzfreien Konzepten meiner Veranstaltungen gearbeitet habe, haben sich auch die Rahmenbedingungen für das Sommersemester 2020 noch einmal verändert: In meinen ersten Texten zu diesem Thema bin ich noch von einem präsenzfreien Start ins Sommersemester 2020 ausgegangen, inzwischen jedoch muss ich davon ausgehen, dass das Sommersemester 2020 komplett präsenzfrei ablaufen wird. Dementsprechend habe ich nun die Veranstaltungen für das ganze Semester im digitalen Raum geplant. Wie in früheren Texten bereits erwähnt, lagen für meine Veranstaltungen bereits Konzepte vor, als die Präsenzphasen des Sommersemesters abgesagt wurden: Ich stand daher vor allem vor dem Problem, diese Konzepte sinnvoll auf den digitalen Raum übertragen zu müssen, und dabei von den Studierenden und mir nichts Unmögliches zu verlangen. Wie ich dabei vorgegangen bin, möchte ich im Folgenden anhand von Leitfragen und aus meinen Überlegungen abgeleiteten Grundsätzen kurz darstellen.