E-Learning
Nach nunmehr schon fast zwei Semestern Online-Vorlesungen möchte ich auch hierzu von meinen persönlichen Erfahrungen schreiben.
Dass es auch im Falle von Vorlesungen nicht damit getan ist, einfach das, was ich als Lehrende sonst vor Studierenden im Hörsaal vortrage, den gleichen Studierenden in einem beliebigen Videochat mit geteilten Folien vorzutragen, war mir sehr schnell bewusst. Im April 2020 hatte ich dazu auch einen kurzen Thread auf Twitter verfasst.
Ich hatte vor einigen Jahren einmal für eine Übung das Konzept des sog. „inverted classroom“ oder „flipped classroom“ ausprobiert, und dafür auch kurze Lehrvideos erstellt. Für diese Videos habe ich die Aufzeichnungsfunktion in PowerPoint benutzt, und schnell die Nachteile dieser auf meinem Rechner bereits vorhandenen Möglichkeit kennengelernt: Da es nicht möglich ist, die Aufzeichnungen nachträglich zu ändern, sollte der Text fehlerfrei und ohne Fülllaute eingesprochen werden. Für mich bedeutete das, dass ich den Text des Lernvideos ausformulieren und das Vortragen proben und einüben musste – für jemanden wie mich, die sonst in der Regel mit Stichworten arbeitet und bei Vorträgen frei formuliert, ein ungewohnter und zeitraubender Arbeitsschritt.
Gedanken zur synchronen Online-Lehre und zur Nutzung der Kamera in Videokonferenzen.
Das Sommersemester hat das Studium in kurzer Zeit auf den Kopf gestellt, und digitale Notfall-Lehre musste auf Grund der weltweiten Covid-19-Pandemie schnell und ohne große Vorbereitung umgesetzt werden. Inzwischen ist die Vorlesungszeit des Sommersemesters vorbei, und vielerorts wurde darüber gesprochen und geschrieben: Unter anderem auch im Hinblick auf das Wintersemester, in dem uns die digitale Lehre nach wie vor begleitet. Erstaunlich häufig wird hier – für mein Empfinden – die Kamera in Videokonferenzen thematisiert: Daher möchte ich hierzu einige meiner Gedanken teilen.
Exkursionen sind elementarer Bestandteil archäologischer Studiengänge. Dies können Tagesexkursionen sein, etwa in Museum und Ausstellungen oder zu Fundorten in relativer Nähe zum Studienort; meist ist in einem archäologischen Studiengang aber auch die Teilnahme an mindestens einer mehrtägigen Exkursion vorgesehen. Ersatz für Exkursionen und die zugehörigen vorbereitenden Veranstaltungen zu finden, stellt im präsenzfreien Sommersemester 2020 mit eine der größten Herausforderungen in der kurzfristigen Umgestaltung der Lehrveranstaltungen dar.
Für das Sommersemester 2020 hatte ich zusammen mit meinem Kollegen Ernst Pohl eigentlich geplant, unmittelbar nach dem Ende der Vorlesungszeit eine 12-tägige Exkursion nach Dänemark und Südnorwegen durchzuführen; im Rahmen einer Übung sollte diese Exkursion während des Sommersemesters vorbereitet werden. Die Planungen für die Exkursion waren auch schon sehr weit fortgeschritten: Die Reiseroute stand bereits fest, und sowohl der Bus als auch die Unterkünfte waren bereits reserviert. Mit der Reiseroute wären auch die Themen der vorbereitenden Übung bereits vorgegeben gewesen
Ab der kommenden Woche sollen nun auch an meiner Universität präsenzfreie Lehrveranstaltungen im digitalen Raum durchgeführt werden; inzwischen habe ich die Konzepte meiner Veranstaltungen auch an die speziellen Bedingungen des Sommersemesters 2020 angepasst. Aus diesem Grund möchte ich hier rückblickend zusammenfassen, wie ich vorgegangen bin, und welche Überlegungen dabei eine Rolle gespielt haben.
Während ich an den präsenzfreien Konzepten meiner Veranstaltungen gearbeitet habe, haben sich auch die Rahmenbedingungen für das Sommersemester 2020 noch einmal verändert: In meinen ersten Texten zu diesem Thema bin ich noch von einem präsenzfreien Start ins Sommersemester 2020 ausgegangen, inzwischen jedoch muss ich davon ausgehen, dass das Sommersemester 2020 komplett präsenzfrei ablaufen wird. Dementsprechend habe ich nun die Veranstaltungen für das ganze Semester im digitalen Raum geplant. Wie in früheren Texten bereits erwähnt, lagen für meine Veranstaltungen bereits Konzepte vor, als die Präsenzphasen des Sommersemesters abgesagt wurden: Ich stand daher vor allem vor dem Problem, diese Konzepte sinnvoll auf den digitalen Raum übertragen zu müssen, und dabei von den Studierenden und mir nichts Unmögliches zu verlangen. Wie ich dabei vorgegangen bin, möchte ich im Folgenden anhand von Leitfragen und aus meinen Überlegungen abgeleiteten Grundsätzen kurz darstellen.
Der Start der Präsenzphase der Vorlesungszeit des Sommersemesters 2020 wurde an meiner Universität auf den 20. April verschoben (Stand 18.3.2020) – und da derzeit nicht abzusehen ist, ob es dabei bleibt, oder nicht vielleicht noch weitere Verschiebungen der Vorlesungszeit notwendig sein werden, haben Themen wie digitale Lehre, e-Learning, distance learning oder remotes Lernen derzeit Konjunktur.
In einer losen Folge von Beiträgen möchte ich hier teilen, von welche Überlegungen ich bei der Gestaltung meines präsenzfreien Starts ins Sommersemester ausgegangen bin, und möchte für meine Lehrveranstaltungen die Umsetzungen vorstellen.
Ein Vortrag auf dem Dies Academicus der Universität Bonn im Wintersemester 2013/2014, “Vorlesung mit Pause-Taste” von Dr. Pascal Bihler und Prof. Carsten Urbach, sowie der Vortrag “Kino fäll t aus” von Prof. Gabi Reinmann, Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen, brachten mich auf die Idee, mich auch einmal näher mit dem Thema “inverted classroom” oder “flipped classroom” zu beschäftigen.
Was ist nun aber das “umgedrehte”, das diese Art der Lehre auszeichnet? Nun, kurz und wohl auch sehr vereinfachend zusammengefasst, zeichnen sich viele Lehrveranstaltungen dadurch aus, dass in der Präsenzzeit ein bestimmter Wissenstand erarbeitet wird, den die Studierenden dann bis zur nächsten Sitzung eigenverantwortlich vertiefen und anwenden. Beim “flipped” oder “inverted” classroom wird dieses Prinzip umgedreht: Den Studierenden wird Material zur Verfügung gestellt, mit dessen Hilfe sie sich auf die Präsenzsitzung vorbreiten können, um dann die Anwendung und Vertiefung des erarbeiteten Wissenstands in der Lehrveranstaltung selbst zu betreiben.