Anlässlich der gemeinsamen Jahrestagung des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung (WSVA) und des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung (MOVA) vom 25. bis 29. September 2023 in Tübingen möchten wir heute die ersten Absolventinnen der Ur- und Frühgeschichte an der Eberhard Karls Universität vorstellen. Zugleich ist dies ein Blick in die Fachgeschichte der Ur- und Frühgeschichte, da u.a. mit einem Aufsatz von Sibylle Kästner, Viola Maier und Almut Schülke über die ersten Tübinger Prähistorikerinnen die systematische historiografische Forschung zu frühen Archäologinnen des Fachs begann.
Zum internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft möchten wir Eeuch heute die ersten Doktorandinnen in den Archäologien vorstellen.
Es war lange Zeit nicht selbstverständlich, dass Frauen und Mädchen studierenden durften – auch nicht in den Archäologien, die sich im Laufe des 19. Jahrhunderts als akademische Fächer an den Universitäten zu etablieren begannen. Erst seit dem frühen 20. Jahrhundert können wir in den archäologischen Fächern die ersten Studentinnen nachweisen. Da die reguläre Immatrikulation von Frauen an den meisten deutschen Universitäten noch nicht vorgesehen war, mussten sie sich als Gasthörerinnen einschreiben, und hatten dabei je nach Universität unterschiedliche Hürden zu überwinden. In der Regel mussten mindestens die Professoren der einzelnen Veranstaltungen, die die Frauen besuchen wollten, diesem Besuch zustimmen; manchmal mussten aber auch von der Fakultät oder der Universitätsleitung Genehmigungen eingeholt werden. Studieren war zudem teuer: Nur Frauen mit eigenem Vermögen oder aus begüterten Familien konnten sich ein Studium leisten. Regelabschluss eines Archäologiestudiums war damals die Promotion . Doch auch der Weg zum Hochschulstudium war für Frauen eigentlich nicht vorgesehen: Mädchen und junge Frauen waren von regulräer höherer Bildung ausgeschlossen, und konnten keine formalen Bildungsabschlüsse erreichen, die zum Studium berechtigten. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstanden durch private Initiativen Gymnasialkurse für Frauen, in denen sie sich darauf vorbereiten konnten, das Abitur als externe Prüflinge an regulären Gymnasien zu erwerben.
Am 18. Mai 2020 erschien in der Job-Kolumne von jetzt.de ein Interview mit einer Archäologin, die von ihrer Tätigkeit in der universitären Forschung erzählt. Der Arbeitsalltag ist aus meiner Sicht sehr schön und treffend beschrieben. Allerdings dürfte dieser Beitrag bei allen, die mit der akademischen Welt nicht vertraut sind, auch Fragen hinterlassen – insbesondere, was das genannte Einkommen betrifft.
Wie passt es etwa zusammen, dass Annika, die interviewte Archäologin, eine halbe Stelle innehat, aber meist 8, und nach eigener Aussage derzeit sogar 10-12 Stunden pro Tag arbeitet – was in einer Woche auch mehr als der Stundenumfang einer durchschnittliche Vollzeitstelle ist? Da der Beitrag unter der Frage „Wie viel verdient eine Archäologin?“ veröffentlicht wurde, möchte ich hier die genannten Verdienste in einem Kommentar etwas einordnen.