Am 18. Mai 2020 erschien in der Job-Kolumne von jetzt.de ein Interview mit einer Archäologin, die von ihrer Tätigkeit in der universitären Forschung erzählt. Der Arbeitsalltag ist aus meiner Sicht sehr schön und treffend beschrieben. Allerdings dürfte dieser Beitrag bei allen, die mit der akademischen Welt nicht vertraut sind, auch Fragen hinterlassen – insbesondere, was das genannte Einkommen betrifft.
Wie passt es etwa zusammen, dass Annika, die interviewte Archäologin, eine halbe Stelle innehat, aber meist 8, und nach eigener Aussage derzeit sogar 10-12 Stunden pro Tag arbeitet – was in einer Woche auch mehr als der Stundenumfang einer durchschnittliche Vollzeitstelle ist? Da der Beitrag unter der Frage „Wie viel verdient eine Archäologin?“ veröffentlicht wurde, möchte ich hier die genannten Verdienste in einem Kommentar etwas einordnen.
Zwei Beiträge in den Publikationen des Wissenschaftsladens Bonn haben in den letzten Tagen Berufe und Karrieremöglichkeiten im Bereich der Archäologien beleuchtet.
Abseits des Mainstreams: Jobs mit Archäologie zeigt am Beispiel von fünf kurz vorgestellen Berufswegen auf, dass sich Absolventinnen und Absolventen archäologischer Fächer viele unterschiedliche Möglichkeiten bieten, wenn sie das Arbeitsfeld von Universität und Wissenschaft verlassen. Die Beispiele sind gut gewählt, und zeigen eine große Bandbreite von Tätigkeitsfeldern und beruflichen Möglichkeiten auf. Besonders gelungen finde ich, dass hier viele Frauen porträtiert wurden, die jüngeren Kolleginnen und Kollegen als Beispiele dienen können.
Als etwas seltsam empfinde ich es jedoch, diese Karrierewege als “Archäologie abseits des Mainstreams” zu bezeichnen. Oder, anders gefragt: Welche Berufswege nach einem Studium eines oder mehrerer archäologischer Fächer ist “Mainstream”? Aus dem Beitrag wird deutlich, dass damit wohl die Berufstätigkeit in der archäologischen Forschung an einer Universität oder einem Forschungsinstitut gemeint ist. Aus der Sicht von jemandem, der seit Jahren in unterschiedlichen Funktionen an unterschiedlichen Universitäten tätig ist, und in dieser Zeit schon viele Kolleginnen und Kollegen erlebt hat, die sich z.T. schon während des Studiums in Richtung Denkmalpflege, kommerzieller Grabungsarchäologie oder Museum orientiert haben, ist der Berufsweg in die archäologische Forschung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen alles andere als “Mainstream”: Er ist eher eine Ausnahme. Aber dies mag sich für Studierende oder Außenstehende anders darstellen, und auch einige Professorinnen und Professoren mögen anders klingen. Umso wichtiger erscheint es mir, schon im Studium auf die Bandbreite beruflicher Möglichkeiten aufmerksam zu machen.
Ausgangspunkt für diesen Blogeintrag war eine Frage auf dem Twitter-Account der DGUF: “Wie stark ist in der Archäologie heute der Gedanke: “Wer (im klassischen Sinne) rausgeht aus dem Fach, der ist ein Looser”? Gilt auch heute noch “nur die Harten bleib’n im Garten”, egal, ob die dann u. U. #nbezahlt arbeiten müssen?”
Auf diesen Tweet hatte ich folgendes geantwortet: “Kommt m.E. stark auf den Ort und die dort tonangebenden Archäolog*innen an… Durch inhaltlich breit aufgestellte Studiengänge, die anhand archäologischer Themen eine Vielzahl von möglichen Perspektiven aufzeigen, gäbe es m.E. gute Möglichkeiten, dieser Meinung entgegenzuwirken.”