Vorlesung
An vielen Universitäten wird für das nun beginnende Wintersemester 2021/2022 auf Lehre vor Ort gesetzt. Doch was oftmals als “Rückkehr zur Präsenz” bezeichnet wird, ist meines Erachtens eine völlig andere Art der Lehre vor Ort als vor dem Beginn der Covid-19-Pandemie.
Seit im Frühjahr 2020 Covid-19 auch nach Europa kam, und die universitäre Lehre innerhalb weniger Wochen nahezu vollständig auf digitale Formate umgestellt wurde, sind mittlerweile drei Semester mit weitgehend digitalem Studium vergangen. Bereits im ersten Pandemiesemester wurden schon nach wenigen Wochen Forderungen nach einer Rückkehr zur Präsenz laut, und diese Rufe sind auch in den folgenden Pandemiesemestern nicht verstummt.
Nach nunmehr schon fast zwei Semestern Online-Vorlesungen möchte ich auch hierzu von meinen persönlichen Erfahrungen schreiben.
Dass es auch im Falle von Vorlesungen nicht damit getan ist, einfach das, was ich als Lehrende sonst vor Studierenden im Hörsaal vortrage, den gleichen Studierenden in einem beliebigen Videochat mit geteilten Folien vorzutragen, war mir sehr schnell bewusst. Im April 2020 hatte ich dazu auch einen kurzen Thread auf Twitter verfasst.
Ich hatte vor einigen Jahren einmal für eine Übung das Konzept des sog. „inverted classroom“ oder „flipped classroom“ ausprobiert, und dafür auch kurze Lehrvideos erstellt. Für diese Videos habe ich die Aufzeichnungsfunktion in PowerPoint benutzt, und schnell die Nachteile dieser auf meinem Rechner bereits vorhandenen Möglichkeit kennengelernt: Da es nicht möglich ist, die Aufzeichnungen nachträglich zu ändern, sollte der Text fehlerfrei und ohne Fülllaute eingesprochen werden. Für mich bedeutete das, dass ich den Text des Lernvideos ausformulieren und das Vortragen proben und einüben musste – für jemanden wie mich, die sonst in der Regel mit Stichworten arbeitet und bei Vorträgen frei formuliert, ein ungewohnter und zeitraubender Arbeitsschritt.
Die ersten Ideen, die ich im Zusammenhang mit präsenzfreien Phasen und digitaler Lehre im Sommersemester 2020 wahrgenommen habe, waren Vorschläge zur Aufzeichnung von Vorlesungen, die sich die Studierenden dann als Video anschauen können. Dies mag bei Vorlesungen, die wiederholt angeboten werden und von einer großen Zahl von Studierenden besucht werden, wie etwa Einführungen in einen Themenbereich oder ein Fachgebiet, auch sinnvoll und bei wiederholter Nutzung der Videos nachhaltig sein; bei meiner Vorlesung, die in dieser Form nur für dieses eine Semester geplant wurde, erschien mir das nicht sinnvoll. Ich habe statt dessen nach anderen Wegen gesucht, den Studierenden einen präsenzfreien Einstieg in das Thema zu ermöglichen: Hierzu sollen sie bereits vorhandene populärwissenschaftliche Formate aus fachwissenschaftlicher Sicht analysieren und beurteilen.