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1859 schrieb der Kunsthistoriker Gustav Klemm im fünften Band seines mehrbändigen Werks “Die Frauen. Culturgeschichtliche Schilderungen des Zustandes und des Einflusses der Frauen in den verschiedenen Zonen und Zeitaltern”:
Am Münchner U-Bahnhof “Universität” ist noch bis Ende Oktober 2024 beim Aufgang Nord eine besondere Fotoausstellung zu sehen: “Vier Tage – Vier Münchner” zeigt vier Menschen mit komplexer Behinderung in ihrem Alltag. Erstellt wurden die einfühlsamen Portraits vom Fotografen Florian Jaenicke, kuratiert wurde die Ausstellung von der Stiftung Leben Pur.
Die Ausstellung wird in der U-Bahn-Galerie des Bezirksausschusses Maxvorstadt gezeigt. Sie ist so gelegen, dass alle Fahrgäste, die über diesen Eingang zu U-Bahn gehen oder den Bahnsteig über diesen Ausgang verlassen, an diesen Bildern vorbeilaufen. Viele werden sie im Stress des Alltags nicht einmal bemerken; manche werden sie vielleicht unterbewusst wahrnehmen. Den Wenigen, die stehen bleiben und die Bilder näher betrachten, zeigt sich eine besondere Welt, voll Mühen und komplizierten Dingen, aber auch voll schöner Momente und Lebensfreude. Diese Ausstellung gibt Menschen mit komplexer Behinderung in unserer Welt ein Gesicht – und einen Platz.
Kurzbericht über die Session 1078 „Women at Archeological Conferences from the 19th Century to the Late 1990s: Presence, Representation and Experiences“ des 30. Annual Meetings der European Association of Archaeologists
In diesem Jahr waren auf dem Annual Meeting der European Association of Archaeologists gleich mehrere Sessions mit forschungsgeschichtlichen Fokus zu finden; zwei von ihnen – Session 738 „Reclaiming Herstory: Women in Mediterranean Archaeology from the 18th Century to Today“ und Session 1078 „Women at Archeological Conferences from the 19th Century to the Late 1990s: Presence, Representation and Experiences“ nahmen explizit Frauen in den Blick. Heute möchten wir von letztgenannter Session berichten.
Vor einigen Monaten wurde ich auf Instagram auf den Archaeo Book Club (https://www.instagram.com/archaeobookclub/) aufmerksam. Er wurde dort folgendermaßen beschrieben:
We’re an online international community who share a love of archaeology and books! Our members include archaeologists, professionals in a related field, and archaeology enthusiasts. Through our Discord server, we chat regularly about both related and unrelated topics, have monthly live book chats, and biweekly live writers meetups.
Dies klang interessant für mich, daher bin ich beigetreten. Ich habe mich nun an bereits drei monatlichen Leserunden beteiligt, und das vierte Buch gerade angefangen. Daher dachte ich, es ist an der Zeit, den Archaeo Book Club auch auf meinem Blog einmal vorzustellen.
Margret Heinemann war eine der fünf Frauen, die vor dem Ersten Weltkrieg in Archäologie promovierten. Sie schloss ihr Studium 1909 bei Georg Loeschcke an der Universität Bonn ab. Und auch privat war Margret Heinemann mit der Familie ihres akademischen Lehrers verbunden: Sie war die Verlobte seines ältesten Sohnes Gerhard Loeschcke, und gab nach dessen frühem Tod posthum die von ihm verfasste Kirchengeschichte des Gelasios von Kyzikos heraus.
Wie viele andere Archäologinnen ihrer Zeit verließ sie schon bald nach ihrer Promotion die akademische Welt und wandte sich dem Lehramt zu. Dort machte sie Karriere und brachte es in der Weimarer Republik bis zur Ministerialrätin. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Demokratischen Partei (DP) in Kassel und war 1948 bis 1952 Mitglied im Kasseler Stadtparlament (heute: Stadtverordnetenversammlung).
Bei unseren Recherchen zu archäologischen Ausgrabungen und archäologisch arbeitenden Frauen in Hamburg begegnete uns immer wieder die Volksschullehrerin Minna Plaß. Über Jahre hinweg engagierte sie sich ehrenamtlich in der Vorgeschichtlichen Abteilung des Altonaer Museums. Sie war regelmäßig als Helferin auf archäologischen Ausgrabungen zu finden; einige Ausgrabungen führte sie eigenverantwortlich durch. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute sie diese Museumsabteilung wieder auf. Wir haben uns auf Spurensuche begeben, und möchten in diesem Beitrag die ehrenamtliche Archäologin Minna Plaß näher vorstellen.
Ein geisteswissenschaftliches Studium bietet viele Möglichkeiten, den wissenschaftlichen Vortrag zu üben: Jedes Referat kann und sollte dazu genutzt werden. Wesentlich ist hierbei aus meiner Sicht, dass in den Lehrveranstaltungen auch Raum bleibt, um unterschiedliche Vortragstechniken auszuprobieren, und dass sowohl Lehrende als auch zuhörende Studierende konstruktives Feedback auf Vorträge geben.
Doch darum geht es mir heute nicht. Wie der Titel schon andeutet, setzt dieser Beitrag auf einer allgemeineren Ebene an. “Reden” ist hier nicht nur im Sinne von “Vortragen” gemeint, sondern sowohl im Sinne von “mit jemandem sprechen” als auch “vor jemandem sprechen” – ohne explizite Vorbereitung, ohne Skript und ohne Folien.
Die Vorlesungszeit des Sommersemesters steht vor der Tür, und damit beginnen bald auch wieder Lehrveranstaltungen, in denen Hausarbeiten geschrieben werden. Dies möchte ich zum Anlass nehmen, mit der “sukzessiven Hausarbeit” einen Weg vorzustellen, wie ich Studierende in meinen Seminaren ans Schreiben einer Seminararbeit heranführe.
Vorneweg etwas zu den Begriffen: Ich werde hier “Hausarbeit” und “Seminararbeit” als Bezeichnung für eine schriftliche Arbeit verwenden, die Studierende in der Regel als alleinige Autor*innen nach wissenschaftlichen Kriterien bis zu einem bestimmten Termin verfassen, und als Prüfungsleistung einreichen. Typischerweise haben diese Arbeiten einen Umfang zwischen 5 und 15 Seiten; häufig werden sie im Rahmen von Seminaren geschrieben. Oft, aber nicht zwingend, geht der Haus- oder Seminararbeit ein Referat zum gleichen Thema voraus, welches dann in der Prüfungsleistung verschriftlicht wird.
Vor einiger Zeit haben wir hier auf diesem Blog die Prähistorikerin Gudrun Loewe (1914-1994) näher vorgestellt. In diesem Beitrag erwähnten wir auch zwei ihrer Studienkolleginnen am Institut für Vor- und Frühgeschichte der Universität Jena: Almut Borchling und Karola Linnfeld. Von den erstgenannten Archäologin handelt dieser Beitrag.
Zugleich sind beide Frauen auch Beispiele dafür, dass wir im Rahmen des Projekts AktArcha oft nur Schlaglichter auf einzelne Phasen im Leben der archäologisch arbeitenden Frauen erhalten – meist dann, wenn die Frauen in fachlichen Kontexten kurzzeitig sichtbar wurden. Dies können Namen und kurze Erwähnungen in Forschungsarbeiten, Briefen, Ego-Dokumenten oder Texten von anderen Archäolog*innen sein. Wie zum Beispiel in einem Brief des Jenaer Professors für Vorgeschichte, Gotthard Neumann, an den Kieler Professor für Vorgeschichte, Gustav Schwantes, vom 12. Februar 1940 (Universität Jena. Institut für Ur- und Frühgeschichte, Sammlung Institutsakten Ordner Museum 1939-1940): Darin schreibt er von „drei Vorgeschichte studierenden Damen“: „Zwei von ihnen, Fräulein Carola Linnfeld und Fräulein Gudrun Loewe, sind Doktorandinnen, die letzte, Fräulein Almuth Borchling, 6. Semester“.
Teilnahmen an Tagungen sind nicht nur wichtig, um wissenschaftlichen Austausch zu betreiben und berufliche Kontakte zu knüpfen, sie bringen auch immer neue Eindrücke mit sich – wie etwa Eindrücke von regionalen Küchen und Speisen. Manches, was mir gut geschmeckt hat, habe ich zu Hause nachgekocht; und einiges davon wurde im Laufe der Zeit zu einem wiederkehrenden Gericht auf meinem Speiseplan. Eines davon ist die Litauische Rote-Beete-Suppe, eine kalte Suppe, die ich insbesondere im Sommer bei heißen Temperaturen gerne esse.