Lehre
Inzwischen ist etwa das erste Drittel des digitalen Sommersemesters vergangen: Ein guter Zeitpunkt, um die Studierenden nach einem Stimmungsbild zu fragen.
Um ein Stimmungsbild der Studierenden zu erhalten, habe ich bei Flinga.fi eine virtuelle Pinnwand eingerichtet, und den Studierenden den Link zu dieser Pinnwand per e-Mail zugeschickt. Diese Nachricht enthielt auch eine Kurzanleitung, wie Beiträge auf der Pinnwand platziert werden können, sowie die Bitte, innerhalb einer Woche, bis zum 25. Mai, Einträge vorzunehmen. Darüber hinaus wurden die Studierenden darüber informiert, dass ich einen Screenshot der Pinnwand auf meinem Blog veröffentlichen, und hier einen Beitrag darüber schreiben werde.
Ab der kommenden Woche sollen nun auch an meiner Universität präsenzfreie Lehrveranstaltungen im digitalen Raum durchgeführt werden; inzwischen habe ich die Konzepte meiner Veranstaltungen auch an die speziellen Bedingungen des Sommersemesters 2020 angepasst. Aus diesem Grund möchte ich hier rückblickend zusammenfassen, wie ich vorgegangen bin, und welche Überlegungen dabei eine Rolle gespielt haben.
Während ich an den präsenzfreien Konzepten meiner Veranstaltungen gearbeitet habe, haben sich auch die Rahmenbedingungen für das Sommersemester 2020 noch einmal verändert: In meinen ersten Texten zu diesem Thema bin ich noch von einem präsenzfreien Start ins Sommersemester 2020 ausgegangen, inzwischen jedoch muss ich davon ausgehen, dass das Sommersemester 2020 komplett präsenzfrei ablaufen wird. Dementsprechend habe ich nun die Veranstaltungen für das ganze Semester im digitalen Raum geplant. Wie in früheren Texten bereits erwähnt, lagen für meine Veranstaltungen bereits Konzepte vor, als die Präsenzphasen des Sommersemesters abgesagt wurden: Ich stand daher vor allem vor dem Problem, diese Konzepte sinnvoll auf den digitalen Raum übertragen zu müssen, und dabei von den Studierenden und mir nichts Unmögliches zu verlangen. Wie ich dabei vorgegangen bin, möchte ich im Folgenden anhand von Leitfragen und aus meinen Überlegungen abgeleiteten Grundsätzen kurz darstellen.
In den letzten Tagen ist mir durch die Vorbereitung meiner Lehre mehr und mehr bewusst geworden, wie sehr sich das Sommersemester 2020 von allen anderen Semestern unterscheiden wird: Dies ist ein Aspekt, der meines Erachtens in den Lehrveranstaltungen immer wieder an- und ausgesprochen werden muss.
Vor einigen Tagen wurde ich auf einen englischsprachigen Tweet aufmerksam, in dem die Ergänzung aktueller Seminarpläne oder Syllabi um eine Art Vorwort angeregt wurde, das die aktuelle Situation an den Hochschulen und im Studium thematisiert: Tip o’ the day: Add this to your syllabus. Your students will always remember it, it will help establish community, and it addresses the needs of our current moment perfectly. The author has made it open access for all to use
Die ersten Ideen, die ich im Zusammenhang mit präsenzfreien Phasen und digitaler Lehre im Sommersemester 2020 wahrgenommen habe, waren Vorschläge zur Aufzeichnung von Vorlesungen, die sich die Studierenden dann als Video anschauen können. Dies mag bei Vorlesungen, die wiederholt angeboten werden und von einer großen Zahl von Studierenden besucht werden, wie etwa Einführungen in einen Themenbereich oder ein Fachgebiet, auch sinnvoll und bei wiederholter Nutzung der Videos nachhaltig sein; bei meiner Vorlesung, die in dieser Form nur für dieses eine Semester geplant wurde, erschien mir das nicht sinnvoll. Ich habe statt dessen nach anderen Wegen gesucht, den Studierenden einen präsenzfreien Einstieg in das Thema zu ermöglichen: Hierzu sollen sie bereits vorhandene populärwissenschaftliche Formate aus fachwissenschaftlicher Sicht analysieren und beurteilen.
Der Start der Präsenzphase der Vorlesungszeit des Sommersemesters 2020 wurde an meiner Universität auf den 20. April verschoben (Stand 18.3.2020) – und da derzeit nicht abzusehen ist, ob es dabei bleibt, oder nicht vielleicht noch weitere Verschiebungen der Vorlesungszeit notwendig sein werden, haben Themen wie digitale Lehre, e-Learning, distance learning oder remotes Lernen derzeit Konjunktur.
In einer losen Folge von Beiträgen möchte ich hier teilen, von welche Überlegungen ich bei der Gestaltung meines präsenzfreien Starts ins Sommersemester ausgegangen bin, und möchte für meine Lehrveranstaltungen die Umsetzungen vorstellen.
Der Twitter-Account @echte_Lehre wird jede Woche von einem oder einer anderen Lehrenden aus dem Bereich der Hochschullehre gestaltet. In KW 27, vom 30.6. bis 6.7.2019, durfe ich hier aus meinem Alltag im Sommersemester an der Freien Universität Berlin berichten.
Hier gibt es zu Nachlesen eine archivierte Version der Tweets.
Da sich der Name des Accounts jede Woche ändert - der- bzw- diejenige, der bzw. die in der jeweiligen Wochen aus dem Hochschulalltag berichtet, schreibt jeweils seinen bzw. ihren Namen in den Account - sind die Tweets, die ich als “Doris Gutsmiedl-Schümann @echte_Lehre” geschrieben habe, in der Timeline des Accounts nicht mehr so ohne weiteres zu identifizieren. Aus diesem Grund habe ich meine Tweets hier in einer chronologischen Übersicht zusammengestellt.
Die akademische Arbeitswelt ist vielfältig, doch auf die eine oder andere Art und Weise habe ich es immer wieder mit Geschriebenem, mit Texten zu tun.
Auf der einen Seite muss ich die Publikationen meiner Fachkolleginnen und Fachkollegen lesen, um inhaltlich auf dem Laufenden zu bleiben, auf der anderen Seite werden von mir ebenfalls wissenschaftliche Artikel geschrieben. Ich bin aber auch als Mitherausgeberin von Tagungs- und Sammelbänden tätig, und da das editieren und redigieren der Beiträge bei diesen Bänden zu größten Teilen von den Herausgeberinnen und Herausgebern erledigt wird, habe ich somit auf eine dritte Art und Weise Umgang mit Texten im wissenschaftlichem Kontext. Die häufigste Form von Geschriebenem, mit der ich in meinem Arbeitsalltag – abgesehen von Kommunikationsformen wie e-Mail oder Chat – zu tun habe, sind jedoch Texte von Studierenden, die meist als schriftliche Prüfungsleistungen in Form von Klausuren, Hausarbeiten oder Abschlussarbeiten auf meinem Schreibtisch landen.
Wie lassen sich Studierende in Veranstaltungen, die v.a. auf Frontalunterricht ausgelegt sind, motivieren?
Einführung und Hintergrund
Ein wesentlicher Unterschied, der sich in Studiengängen vor und nach der sog. „Bologna-Reform“ erkennen lässt, liegt in den grundlegenden Elementen der Studiengangsgestaltung. Standen in den alten Magister-Studiengängen in der Regel zunächst einmal die Inhalte, und damit auch die Dozentinnen und Dozenten mit ihrer Expertise als Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftler im Mittelpunkt, so stellt das idealtypische Studiengangskonzept des Bologna-Prozesses die Ergebnisse des Lernprozesses, die „Outcomes“, und damit die Studierenden in den Mittelpunkt.
Ein Vortrag auf dem Dies Academicus der Universität Bonn im Wintersemester 2013/2014, “Vorlesung mit Pause-Taste” von Dr. Pascal Bihler und Prof. Carsten Urbach, sowie der Vortrag “Kino fäll t aus” von Prof. Gabi Reinmann, Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen, brachten mich auf die Idee, mich auch einmal näher mit dem Thema “inverted classroom” oder “flipped classroom” zu beschäftigen.
Was ist nun aber das “umgedrehte”, das diese Art der Lehre auszeichnet? Nun, kurz und wohl auch sehr vereinfachend zusammengefasst, zeichnen sich viele Lehrveranstaltungen dadurch aus, dass in der Präsenzzeit ein bestimmter Wissenstand erarbeitet wird, den die Studierenden dann bis zur nächsten Sitzung eigenverantwortlich vertiefen und anwenden. Beim “flipped” oder “inverted” classroom wird dieses Prinzip umgedreht: Den Studierenden wird Material zur Verfügung gestellt, mit dessen Hilfe sie sich auf die Präsenzsitzung vorbreiten können, um dann die Anwendung und Vertiefung des erarbeiteten Wissenstands in der Lehrveranstaltung selbst zu betreiben.
Seit nun mehr zwei Jahren ist auf dem L.I.S.A.-Portal der Gerda-Henkel-Stiftung die Audioslideshow “Vergrabene Geschichten” zu sehen. Hier möchte ich einige Einblicke in die Entstehung dieses Videos geben.
Die Audioslideshow zu meiner Dissertation über “Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Aschheim-Bajuwarenring, Lk. München. Studien zu Chronologie, Bestattungssitten, Alters- und Sozialstruktur eines merowingerzeitlichen Ortsgräberfelds der Münchner Schotterebene” habe ich zusammen mit dem Bonner Journalisten und Sprecher Jens Jensen erstellt, um die Ergebnisse meiner Arbeit auch einem interessierten Personenkreis außerhalb der Fachwissenschaft nahezubringen.